15. Orangen

Pablito zerrte vier Jutesäcke, die unter den hinteren Sitzen gefaltet waren, von hinten hervor. In einem waren zwei Macheten. Er drückte eine in Samis Hand. Es ging einen kleinen Pfad entlang. Links und rechts riesengrosse Farnkräuter und sonsiges Gebüsch. Dann waren sie wieder im Tropenwald. Pablito sagte zu Sami er soll jetzt aufpassen, hier gäbe es Schlangen. Er solle nicht vom Pfad abweichen. Sami hatte nicht die geringste Intension sich vom Pfad zu entfernen.

Nach zehn Minuten sagte Pablito: „ Bleib da stehen.“ und verschwand im Dickicht. Sami wartete und wartete, fünf Minuten, die eine Ewigkeit schienen, er war beunruhigt. „Hier bin ich ein Packet, das nicht abgeholt wurde. Wenn eine Schlange vorbeikommt, was mache ich dann. Gut ich habe eine Machete. Kopf ab!“ Er schlug ein paar mal nach imaginären Schlangen in der Luft. „Luftschlangen. Luftschlösser, warum lass ich mich auf so etwas ein, wäre ich doch lieber sofort nach Hause geflogen, anstatt mit der ollen Amalia nach Choroni zu gehen. Schon die Fahrt dorthin war schwierig. Werde ich denn nie klüger, lerne ich denn nie dazu. Ich bring den Pablito noch um, - mich einfach stehen zu lassen, mitten in der Wildnis, was denkt er sich denn einfach, wahrscheinlich hat er einen Tragesel aus Deutschland gebraucht, einen gefunden hat schon, ich bin aber aus der Schweiz, ich bin so ein Idiot und wenn plötzlich ein Puma vorbeikommt. Gut Pumas haben meistens Angst vor den Menschen. Aber trotzdem, hier stehe ich und kann nichts sehen, Blätter, Zweige und Stämme, nichts, warum hat er mich hier stehen gelassen, warum nicht wo ich was sehen kann, was kommt, wer kommt. Ich bring denn noch um, wenn er kommt, das kann man nicht mit mir machen.“ Sami tastete sich langsam vorwärts, Schritt für Schritt, mit der Machete die Blätter wegschlagend, so wie er es gesehen hatte, sowie es Konuko ihm gezeigt hatte. Pablito war wieder da. Er trug einen Sack voller Mandioka auf dem Rücken. Er liess ihn vor Sami auf den Boden fallen. Er blickte Sami kurz in die Augen.

„Wo sind die anderen Säcke?“

„Ich habe sie dort gelassen, wo du mich stehen gelassen hattest,“ antwortete Sami vorwurfsvoll.

„Aha; Okey, komm mit,“ antwortete Pablito, der zurückeilte, die Säcke holte und wieder ins Dickicht ging. Sami konnte fast nicht folgen. Hier sieh dasda, das ist Kaffee Bourbon. Da, wenn die grün sind, sind sie noch nicht reif, sie müssen rot werden wie diese hier.“

„ Aha, dann pflücken wir welchen,“ meinte Sami.

„ Noch nicht, es ist jetzt noch zu früh, später dann sind sie reifer.“

Sami schaute auf seine Schweizer Uhr. Pablito ging weiter.

„Wieviele Säcke ernstest du denn?“

„Einen vielleicht, höchstens zwei.“

„Was nur so wenig, lohnt es sich denn?“

„Wir brauchen den Kaffee nur für uns selber, das ist hier zu kompliziert mit dem Transport, wir verdienen nicht genug daran. Die Stauden sind noch von früher, als dies eine Kaffeeplantage war. Jetzt wächst er wild und wir nehmen nur was wir für uns brauchen.“

„Das heisst der Kaffee, den ich heute früh bei Julia getrunken habe war selbstgeröstteter Kaffee von den Bergen hier.“

Pablito nickte.

„Das ist ja fantastisch, das ist ja toll.“

Pablito drehte sich um und lächelte leicht spöttisch. „Wer kauf denn hier schon Kaffee?“

„Ich habe welchen bei Kurt gesehen.“

„Wo?“ fragte Pablito und blieb stehen.

„Kurt – casa de Kurt- der Laden.“

„ Aahh, casa de Kull meinst du, der ist für die Leute von Caracas und Touristen wie du.“

„Warum verkaufst du nicht selber welchen, den Touristen oder den Leuten von Caracas?, wissen die denn, dass es hier Kaffee gibt.“

„Ja sicher, aber denen ist es egal. Kaffee ist Kaffee, der Kaffee von Venezuela ist einfach gut, oder?“

„ Ja ja, sehr gut, in Choroni haben sie auch Kaffe geröstet und zwar direkt bei einem Essenstand.“

„ Ja gut Choroni! – Choronie hat viel mehr Touristen als wir, dann lohnt es sich vielleicht.“

„Sicher lohnt sich das Pablito, sicher.“

„Hier haben wir auch Tabak, sehr guten Tabak, meine Mutter dreht sich immer Zigarillos und raucht sie.“

„ Das musst du mir zeigen, vielleicht kann sie mir auch welche drehen, Zigarillos würde ich schon rauchen, besonders wenn sie von deiner Mutter gedreht sind.“

„Okey abgemacht,“sagte Pablito und gab Sami die Hand. Dann zeigte er um sich : „ Hier das sind alles Advokadobäume.“

Richtig, auf der Erde lagen Advokados, schöne grosse Advokados. Pablito schlug mit der Machtete von einem Busch einen langen Stecken. Mit dem schlug er noch an weiteren Advokados, die in den Ästen hingen. Der Sack war schnell voll. Sie hätten noch weiter füllen können.

„Lass ihn da, komm mit. Da war noch ein Baum mit Brotfrüchten. Das waren Früchte gross wie mittelgrosse, braune Säcke und wenn sie auf den Boden fielen, platzten sie und zwischen weichem Fruchtfleisch lagen lauter maronigrosse und maroniähnliche Früchte. Kochte man sie schmeckten sie etwa wie Brot. Zwei von denen füllten die Hälfte eines Sackes. Dann fanden sie noch Papayafrüchte, die andere Hälfte des Sackes. Zum Schluss schnitt Pablito noch zwei grosse Stauden Platanos, die er in den letzten Sack packte. Der Transport und das Schwitzen begann..

„Nicht jeder hat einen Schweizer, äh ich meinen einen deutschen Esel so wie du zum transportieren, Pablito.“

„ Anda, burro, los Esel, vorwärts Esel“, sagte Pablito. Er begann so zu lachen, dass er anhalten musste und seinen Sack auf den Boden stellte. Sami tat das gleiche, beide lachten voller herzensfrische einen Augenblick lang.

„Was ist mit den Orangen, von denen du gesprochen hattest?“

„Warte, die kommen noch du wirst sehen.“

Als sie mit je einem Sack auf dem Buckel schweren Schrittes zum Jeep gelangten, standen zwei kleine Männer da. Neben Ihnen lagen zwei vollgestopfte Säcke.

Pablito begrüsste sie und fragte nach dem Preis der Säcke. Einer sagte etwas. Sami verstand ihn nicht. Pablito nickte und hob den Sack in den Jeep. Dann zeigte er auf den anderen und fragte wieviel. So viel wie der andere antwortete der eine Mann empört. Pablito schüttelte den Kopf. Sami wollte wissen was die denn verlangen, als er den geringen Preis hörte, war er sehr erstaunt. Was sei den drinn, wollte er wissen. „Na Orangen natürlich,“ meinte Pablito.

Sami machte ein Zeichen, dass er den Sack nehmen würde und gab ihnen das Geld für beide Säcke.

„Was willst du damit machen, willst du sie verkaufen?“ fragte Pablito erstaunt, „du machst mir noch die Preise kaputt.“

Das nächste Mal werden nicht zwei Säcke daliegen sondern vier, du wirst sehen.“

„ Wie wirst du sie denn verkaufen?“ fragte Pablito.

„Du wirst es sehen, mach dir mal keine Sorgen.“

Sie holten die beiden anderen Säcke. „ Pablito, sag mir wer waren diese Männer ?“

„ Die ? Die leben im Wald.“

„ Im Wald einfach so?“

„ Ja, warum nicht?“

„Wieso kennst du sie?“

„Die waren immer schon da, im Wald.“

„Was immer schon, wirklich? Welche Sprache sprechen sie, ich verstand sie nicht.“

„ Das war Spanisch.“

„Das war kein Spanisch. Das klang ganz anders.“

„Also ich habe Spanisch mit ihnen gesprochen und ich habe sie verstanden, man muss sich nur ein bisschen an sie gewöhnen.“

„Wieso wusstest du, dass sie dir Orangen verkaufen werden?“

Jedesmal wenn ich mit dem Jeep hochfahre stehen sie da. Sie müssen ihn gehört und erkannt haben.“

„Wo leben die, warst du schon mal bei ihnen?“

„ Nein wieso?“

„ Sind das Indios?“

„ Keine Ahnung, sie kommen manchmal am Wochenende runter zu uns und verkaufen Gemüse und Früchte. Dann kommen auch Frauen und Kinder mit.“

„Leben die in einem Dorf?“

„Nein wieso?“

„Ich dachte nur, du sagtest es seien mehrere.“

„Nein, die leben in ihren Lehmhäusern, hier im Wald.“

„Gibt es denn viele von ihnen?“

„Ich weiss nicht, vielleicht, sie sind kleiner als wir und tragen diese braunen Stoffkleider. Sie haben keine Papiere. Sie haben immer schon hier gelebt.“

„Woher weisst du, dass sie nicht in Dörfern leben?“

„Früher bin ich mal mit einem mitgegagngen und habe gesehen wie sie wohnen, auch gibt es von uns welche, die auch oben eine Hütte haben und manchmal wochenlang nicht ruterkommen. Die sind mehr mit denen in Kontakt und erzählen von ihnen.

Unten angekommen, verteilte Pablito Mandioka, Platanos und Papayas an Julia. Als er die beiden Säcke bei Sami ausladen wollte, stoppte ihn Sami kurz. Er lud einen der Säcke ab und brachte ihn ins Haus.

„Kannst du mich mit dem zu Casa de Kull bringen?“

„Claro,warum nicht?“

Dort angekommen, bot Sami Kurt den Sack an und nannte ihm einen Preis im Verhältnis zu Caracas.

Kurt wollte eine Orange probieren. Sie nwaren noch grün, doch als er sie aufschnitt waren sie saftig und reif.

„Die sind noch grün, wir sind nicht in Caracas.“

Nach einigem hin und her einigten sie sich auf die Hälfte.

Pablito wollte Sami wieder zu seinem Haus in „Las Monchas* zurückfahren. Auf dem Weg bat ihn Sami anzuhalten.

„Wieso willst du zu Fuss weitergehen?“

Sami nahm das Geld. Das er verdient hatte: „Fifty, Fifty“

Pablito wollte es nicht annehmen. Sami insistierte: „ Du hast mich dorthin hinaufgebracht, die Leute sind wegen dir dagewesen und du hast die Ware nach unten gebracht. Zum Schluss willigte Pablito ein, nahm seinen Anteil.

„ Du hattest mir versprochen, dass mir deine Mutter Zigarillos dreht,“ sagte Sami.

„Okey, ich werde sie fragen,“ sagte Pablito. Er lud Sami bei Canuto ab, der gleich unter die Dusche lief.

Dann nahm er ein Messer öffnete den Sack und begann Orangen zu essen. Nach der zweiten, legte sich wieder in die Hängematte, rappelte sich nochmals hoch, nahm wieder sein Leintuch, sperrte das Haus zu, schrak auf, weil gerade ein Mango auf das Dach gefallen war. Er schloss das Tor zu, um vor Erschöpfung in seine hängende Schaukel zu fallen. 

Ein paar Stunden später wachte er auf. Es war stockfinster. Er kletterte aus seiner Hängematte, die Füsse suchten den Boden. Da endlich da ist er ja. Er hatte Humger, er hatte Durst. Er kramte endlich den Schlüssel aus einer Hosentasche. Er stiess gegen Stühle. Das wies ihm den Weg. Irgendwo muss es Streichhölzer, oder ein Feuerzeug geben. Gut in meiner Reisetasche habe ich eins. Er erreichte die Türe, fand das Schlüsselloch durch tasten und öffnete die Tür. Da ist es ja noch dunkler. Langsam tastete er sich vor, erreichte irgendwie den Gang zu den Schlafzimmern, fand sein Zimmer, seine Tasche, sein Feuerzeug und endlich Licht.

Im Wohnzimmer stand die Gasflasche in einem Gestell. Er zündete sie an. Jetzt meldete sich der Hunger in voller Stärke an.

Im Kühlschrank befanden sich die Würstchen, Mayonese, Chips und Bier. Er setzte sich and en Tisch, ass und trank alles auf. Ich werde mir unbedingt morgen eine Taschenlampe kaufen. Er ging auf den Hof hinaus, kein Mond,aha darum ist es so dunkel. Er ging wieder ins Haus, schloss es ab. Er nahm die Gasflasche mit zum Schlafzimmer. Er wollte sich hinlegen. Er hatte sein Laken draussen in der Hängematte vergessen. Er ging wieder kurz nach draussen, holte das Bettuch und kehrte zurück.

In der Nacht ist er dann immer wieder aufgewacht, hatte das Geräusch raschelnder Blätter auf dem Boden gehört, welches immer näher kam, gehört, ab und zu plumpste ein Mango aufs Dach undkämpfte für den Schlaf.

Am nächsten Morgen stand er wieder früh auf, bekam seinen Kaffee mit Konservas bei der Nachbarin. Er hatte grossen Hunger, Julia servierte ihm gelb gebratene Mandioka (Jukawurzeln), welche ähnlich wie Brot schmeckten und weich und flockig waren, mit zwei gebratenen Spiegeleier. Sie war überglücklich und bedankte sich für die Essenswaren, die er gestern mit Pablito gebracht hatte. Dann ging er wieder an den Strand, schwamm, liess sich von der Sonne trocknen, träumte den Vögeln nach und erfeute sich der klaren und frischen Luft.

Er ging zum Dorf hinauf . Er wollte es kennen lernen. Der Fluss hatte ein Delta gebildet. Jetzt war er an die rechte Seite gedrengt worden. Mit dem Meer im Rücken ging Sami weiter 10 Minuten zu Fuss am Ufer entlang und dann links hinauf ins Dorf. Zwei Reihen verputze, bunte Adobehäuser links und rechts einer betonierten Strasse markierten den Eingang. Die Seitenwände waren unverputzt, braune, rissiger Lehmerde, guckte um die Ecke. Es war so, als ob sie nicht gesehen würden da ja die Fassaden schön gestaltet waren und sie eben nicht. An der einzigen Strasse, mitten im Dorf gabe es drei sehr weiträumige Terassen. Dahinter lagen die ehemaligen Lagerräume aus rotbraunen Ziegeln. Sie hatten lange schwarze Eisengitter vor den Fenstern. Die Terrassen dienten früher um die Cacao - oder Kaffeeernte zu trocknen.

Pablito kam ihm entgegen. Er wollte Sami unbedingt seiner Mutter vorstellen. Am Ende der Terrassen stand die Kirche. Die Strasse ging beidseitig um sie herum. Die Häuserreihen setzten sich fort mit zwei bis drei Fenstern ohne Glasscheiben aber mit farbigen Fensterläden aus Holz. Alle waren mit Wellblechdächern bedeckt. Viele Menschen befanden sich nicht auf der Strasse, nur einige herumstreunende Hunde. Sie gingen bis zum Ende dieses Dorfteiles. Dort trohnte Pablitos Jeep auf einem Parkplatz speziell für ihn gebaut.

Beide sprangen über ein Bächlein dahinter, welches eine Kerbe in die Erde geschnitten hatte. Jetzt ging es steil hoch zwischen ihm unbekannten Bäumen, Bananenbäumen, Papaiabäumen und der gleichen Art Häusern, die auf der dunklen Erde verstreut, den Berg hinauf standen. In eines dieser Häuser wurde Sami zum Kaffee eingeladen und herzlich begrüsst. Der Ausblick auf das Dorf unten, das Tal entlang und auf den gegenüber liegenden Berg war beeindruckend. Justo, Samis jüngerer Bruder kam noch hinzu, dann seine Kinder mit Frau.

Nachdem der Kaffe serviert worden, war drehte Pablitos Mutter eine Zigarillo. Sie zündete sie an und offerierte sie ihm. Sie schmeckte hervorragend. Alle lachten beim Anblick des Weissen mitten zwischen ihnen. Dazu rauchte er noch eine hangedrehte Zigarillo. Sami fühlte sich als erster Europäer oben in einem Dorf wie in Afrika. Dass sie ihm noch schmecken würde, fanden die Chichirivichaner noch bizarrer. Die Mutter drehte ihm noch fünf weitere. Er wollte ihr etwas dafür bezahlen. Sie weigerte sich strickt etwas von ihm anzunehmen. Es kamen immer mehr Zuschauer, bis es Pablito zu bunt wurde und sie wegscheuchte. Das ging aber nicht so leicht. Seine Mutter sagte etwas, so liess er es bleiben. Sie war klein und schlank. Ihr Gesicht lag in Falten, die Farbe war wie die des Tabaks, den sie rauchte. Sie sah eher arabisch aus. Sie hätte auch aus Kuba sein können.

„Morgen gibt es ein Fest, da werden die Heiligen im Dorf herumgetragen,“ erzählte Pablito, „kommst du auch?“

„Ja natürlich,“ antwortete Sami. Der Gesprächstoff war schnell ausgegangen, jeder war scheu. Sami verabschiedete sich und bedankte sich herzlich. Pablito begleitete ihn nach unten.

„Sag mal dein Vater, lebt er noch,“ wollte Sami wissen.

„Ja natürlich, wieso?“

„Nur so, ich fragte halt.“

„Ach so, er lebt mit iner anderen Frau, weiter unten im Dorf, sie ist jünger. Er hat auch Kinder mit ihr.“

„ Wie viele denn ?“

„Keine Ahnung , zwei drei, was weiss ich, das geht mich nichts an.“

„Aha, trefft ihr euch?“

„ Ja natürlich, wir leben im gleichen Dorf.“

„Und sprecht ihr mit einander?“

„ Warum denn nicht, ich bin sein Ältester, er gab mir den Jeep. Was zwischen meiner Mutter und ihm geht, das ist ihre Sache, das geht mich nichts an.“

„ Ach so, bei uns ist das alles viel komplizierter. Deine Halbbrüder und Halbschwestern....“

„Ja was ist mit denen, du hast aber Fragen.“

„Gibt es nicht Eifersüchteleien?“

Pablito blieb stehen und schaute seinen Freund voll an „Ich werde dir was erzählen, aber nicht hier mitten im Dorf, es gibt hier zu viele Ohren und die hören doppelt gut.“

Sie kamen zur Kurve dort wo die Betonplatten aufhörten, dort wo das Dorf begann. Sie gingen weiter, überquerten den Fluss indem sie von Stein zu Stein hüpften, wie alle sonst hier, erreichten Canutos Haus und Sami lud Pablito zu einem Whisky ein.

Pablito begann zu erzählen: „Das was ich dir jetzt erzähle, das bleibt zwischen uns, das brauchst du keinem zu erzählen, ok?“

„Okey, na claro.“

„Vor einem Jahr etwa, wir schliefen es war Nacht, hämmerte Justo ans Fenster von aussen. Ich erwachte unser Haus brannte, ich konnte gerade noch meine Familie retten, aber hatte alles verloren. Mit dem Jeep und mit Arbeit in Caracas, konnte ich wieder ein neues Haus bauen im Dorf, dort wo das alte stand.“

„Wieso hat das Haus gebrannt?“

„Ich weiss nicht, man sagt es wurde angezündet.“

„Wer könnte es gewesen sein, weiss du es denn nicht?“

„Ich weiss nicht genau wer, aber ich habe meine Vermutungen.*

„Aha, das hängt mit Eifersucht zusammen.“

Pablito nickte nachdenklich beipflichtend.

„Ach was, das ist alles Quatsch.“

„Das ist kein Quatsch, wie kannst du weiter einfach so im Dorf leben.“

„Mein Vater hält zu mir, er ist der Kommisar vom Dorf. Wenn noch etwas passiert, ist der Teufel los hier.“

„Die Guardia Nacional, wissen die es nicht, machen die nichts?“

„Ach was, die sitzen auf ihrem Posten und spielen Domino, denen geht das nichts an, die halten sich raus, das ist unsere Sache, deswegen haben wir auch einen Kommisar im Dorf.“

„Ich habe keinen mit Uniform gesehen.“

„Mein Vater trägt keine Uniform, jeder weiss, dass er Kommisar ist.“

„Und er macht nichts gegen die, die das Feuer gelegt haben?“

„Kann er nicht“

„Warum nicht?“

„Die Familie von meiner Frau ist mit seiner jetzigen Frau verwandt, sie ist eine Tante von ihr. Meine Frau hat seither immer Kopfschmerzen und Angst und macht nichts mehr im Haus, vielleicht trennen wir uns, aber die Kinder sind noch klein. Meine Mutter kümmert sich um sie.“

„Das ist hart,“ pflichtete Sami bei. Er hatte sein Problem ganz vergessen.

„Wenn du Hilfe brauchst, du kannst auf mich zählen.“

„Okey, danke ist schon gut. Ich muss jetzt gehen, also du kommst morgen zu uns zum Fest um elf Uhr?“

„Sicher, also bis morgen.“